Vanessa May experimentiert mit unterschiedlichen Materialien, die oftmals durch ihre Entfremdung überraschen – häufig Baumaterialien, die selten in der Bildhauerei Verwendung finden. Für den KAT hat sich Vanessa May eine Kombination von zwei Techniken überlegt: Zunächst entstehen mithilfe von Monotypie - einer Drucktechnik, bei der verdünnte Farben auf beschichtete MDF-Platten aufgetragen werden - farbige Drucke auf Papier.
Die so entstandenen Arbeiten zeigen Farbverläufe und Farbspuren und stellen die Hintergrundebene dar. Auf diese werden anschließend mit unterschiedlichen Techniken Tiermotive gemalt oder gezeichnet. Verwendet werden dabei u.a. Tusche, Ölkreide, Kohle und Buntstifte. Aber es kommen nicht nur Pinsel, sondern auch Federn, Stöcke, Balsaholz und vieles mehr zum Einsatz. Im Ergebnis können schöne Kontraste von Farbflächen zu Linien entstehen.
Vanessa May zum Kunstaktionstag:
"Als um 13 Uhr an einem Dienstag der Anruf von Dr. Renate Breithecker kam, ob ich Interesse hätte als Künstlerin den 27. Kunstaktionstag im Pilgerhaus in Weinheim zu gestalten, musste ich nicht lange überlegen und habe zugesagt.
Nach einem Atelierbesuch bei mir in der Pfalz, war das Konzept schnell klar, denn als Bildhauerin und Architektin kenne ich die Herausforderung nur allzu gut:
Das berühmte „weiße Blatt“ und die Fülle an Möglichkeiten, die sich hieraus ergeben. Der erste Schritt ist oftmals der schwerste. Warum? Weil wir schon vor Beginn Pläne verfolgen, Ziele definieren und Ansprüche an das Endergebnis stellen – kurz gesagt wir denken zu viel.
Kunst zu schaffen bedeutet für mich, mich inspirieren zulassen, aufmerksam hinzuschauen, Zufall zuzulassen und kontrolliert einzugreifen und vor allem zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören.
Über die Jahre hat sich eine Technik immer wieder bewährt, um genau diesen Prozess in Gang zu setzen: die Monotopie. Ein einmaliger farbiger Abdruck von einer Trägerplatte auf Papier oder Leinwand, der als Hintergrund für die weitere Arbeit dient.
So haben wir den Kunstaktionstag mit dem Herstellen der Hintergründe begonnen und die beiden Blöcke mit 100 Blatt Papier waren im Nu gefüllt, dass die engagierten Helfer alle Mühe hatten noch einen geeigneten Trocknungsplatz auf der Terrasse zu finden.
Der erste Schritt war also getan und die Hürde des weißen Blattes war genommen. Nach der Mittagspause widmeten wir uns dem eigentlichen Thema für diesen Tag „Bunte Tiere“.
Auf den hergestellten Hintergründen wurde frei oder nach Vorlage gemalt, gezeichnet und geklebt. Der kreative Prozess nahm seinen Lauf und es entstanden Werke quer durch die gesamte Tierwelt.
Nach einem intensiven und erfolgreichen Tag, konnte man in der gemeinsamen Ausstellung am Abend in strahlende und stolze Gesichter der Künstler:innen schauen.
Für mich hat dieser Kunstaktionstag mit Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zwei Dinge gezeigt:
Zum einen, dass Kreativität ein existentieller Teil jedes Menschen ist und viel mehr gefördert werden muss und zum anderen, dass die Menschen, die wir als beeinträchtigt wahrnehmen, uns in einer Sache weit voraus sind: Sie arbeiten viel mehr mit Herz und Intuition – genau das, was eine:n gute:n Künstler:in ausmacht".