Was aus der "Krebse-Hoiner-Bank" wird - Die vom Lions Club Weinheim geförderten Holzbankprojekte

Die Weinheimer Nachrichten berichten:

,,Krebse-Hoiner-Bank" steht wieder: Heimatpflege: Schüler der Hans-Freudenberg-Schule beenden mit Unterstützung des Lions-Club gemeinschaftliches Projekt.

Da wäre er am Donnerstagvormittag sicher gerne dabei gewesen. Die Rede ist vom „Krebse-Hoiner“, dem vor einigen Jahren verstorbenen „Saasemer“ Original Heinrich „Heiner“ Krebs. Denn an diesem Projekt hätte der Landwirt und Kutschenbesitzer seine helle Freude gehabt und sicherlich dabei zugesehen, wie zwei Lehrer, eine Schülerin und ein Schüler der Hans-Freudenberg-Schule dort in der schon sehr warmen Sonne schwitzten, um hoch über Großsachsen eine nagelneue Sitzbank im Boden zu verankern. Ebenfalls mit dabei: Schulleiter Torsten Nesselhauf, auf dessen zentral Rolle später noch eingegangen werden soll.

100 Stunden Arbeit

Das Aufsetzen der aus reinem Lärchenholz bestehenden Sitzgelegenheit auf den frisch angerührten Betonsockel setzte nämlich den Schlusspunkt unter rund 100 Stunden Arbeit, die 25 Zöglinge der gewerblich technischen Fachschule in Weinheim unter Anleitung ihres Fachlehrers Benjamin Spann in den vergangenen drei Monaten geleistet hatten. Stellvertretend für diese durften auch die sechzehnjährige Heddesheimerin Jaqueline Martinello und ihr gleichaltriger Klassenkamerad Henrik Stamm aus Laudenbach beim letzten Akt zur Wiederherstellung der früheren „Krebse-Hoiner-Bank“ tatkräftig mitwirken. Wer sich an dieser Stelle nun fragt, wie es kommt, dass eine Weinheimer Schule mit Schülern aus verschiedenen Bergstraßengemeinden ausgerechnet im Großsachsener Vorgebirge ein gemeinsames „Bank“- Projekt beendet, dem sei gesagt: das war „netzwerken“ in Reinkultur. Deshalb das Ganze noch mal von ganz vorne, denn hier kommt jetzt Torsten Nesselhauf ins Spiel.

Der nämlich ist außer Schulleiter in Weinheim auch noch Mitglied im dortigen Lions-Club. Die gemeinnützige Organisation unterstützt und finanziert nämlich seit vielen Jahren soziale Projekte und stellt unter anderem Bänke in Weinheim und Umgebung auf, die in Berufsvorbereitungsklassen hergestellt werden, um „Junge Menschen für das Leben zu stärken“, wie es nun auch die Gravur auf der Plakette der neu aufgestellten Bank nachzulesen ist. „Deshalb ist die freiwillige Schufterei hier oben auch pädagogisch sehr wertvoll“, lässt der Fachschuldirektor wissen. „Die Kids machen was Sinnvolles und bekommen dafür Anerkennung. " Das bleibe für immer im Kopf und beeinflusse das Verhalten nachhaltig“. Und wahrscheinlich auch mehr als die beiden Kinogutscheine, die es für alle Helfer jetzt gibt. Eingegangen werden muss mit Matz Scheid und Gert Wagenbach allerdings auch noch auf zwei weitere Großsachsener. Der eine Musiker und der andere Polizist hatten sich an „einem der schönsten Plätze der Gemeinde“ schon oft über die Wahnsinnsaussicht dort gefreut und Inspiration geholt. Dass nach dem Tod des „Krebse-Hoiner“ die ihm zu Ehren vor 25 Jahren vom Bauernverband aufgestellte Holzbank immer mehr verfiel, war beiden ein Dorn im Auge. So packten beide kurzerhand an, zertrümmerten und entsorgten die Überreste, um dann auch noch Torsten Nesselhauf anzurufen. Der Rest ist Geschichte und oben nachzulesen.

Jeder kannte ihn

Fehlt nur die, wie es überhaupt zur „Krebse-Hoiner-Bank“ kam. Heiner Krebs verstarb im Juli 2020 im Alter von 70 Jahren ganz unerwartet in seinem Elternhaus in der Breitgasse. Jeder im Ort kannte ihn nicht nur wegen seiner Kutschfahrten, die er bei Festen und Umzügen machte. Er war ein Ur-Saasemer und nahm leidenschaftlich Anteil am Handballsport in seinem Heimatort: Als langjähriger Zweiter Vorsitzender unter dem Ehrenvorsitzenden Rudi Frößinger und von 2002 bis 2003 auch übergangsweise Chef des Turnvereins Germania (TVG). Weniger bekannt war, dass der „Krebse-Hoiner“ jahrzehntelang für die Staatlichen Forstverwaltung im Weinheimer Waldgebiet beruflich tätig war. Bei seiner Verabschiedung 2001 schenkte man ihm als Zeichen der Wertschätzung und des Danks für seine Dienste eine Ruhebank. Diese stiftete der passionierte Landwirt dem örtlichen Bauernverband. Die erste „Krebse-Hoiner-Bank“ stand also fast 25 Jahre der Allgemeinheit zur Verfügung. Betrachtet man die solide Bauart der Nachfolgerin, dürfte diese mindestens genauso lang allen Wanderern auf dem dort vorbeiführenden Blütenweg eine schöne Rast mit Fernsicht bieten. Vielleicht fällt manchem dann beim Ausruhen auch direkt gegenüber das Muschelzeichen an einem Wegweiser auf. Ja, hier befindet man sich tatsächlich auf der Nordroute des Badischen Jakobsweges.


 

Die „Krebse-Hoiner-Bank“ steht wieder. Von links: Technischer Oberlehrer Benjamin Spann, Schülerin Jaqueline Martinello, Schulleiter Torsten Nesselhauf und Schüler Henrik Stamm. | Foto: Weinheimer Nachrichten | Erich Rathgeber

Ein Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung: Von Annette Steininger und Walter Brand

Die Aussicht über Großsachsen und die Rheinebene ist traumhaft. Man kann den Ort getrost als einen der schönsten Plätze Hirschbergs bezeichnen. Das findet auch Musiker Matz Scheid, der hier unlängst vorbeikam. Rechts geht es vom Hohlweg, der zum Grillplatz führt, ab und läuft dann noch ein ganzes Stückchen zu der Stelle, wo der Blick so schön ist, aber bis vor Kurzem von dem trostlosen Zustand der Bank am Rande des Blütenwegs getrübt wurde.

Scheid bedauerte, dass diese mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben war und kontaktierte kurzerhand Gert Wagenbach, Polizist und Schlangenexperte, und ebenfalls aus Großsachsen. Da auch er immer für eine gute Idee zu haben ist, war eine Erneuerung der "Krebse Hoiner Bank" – diese Gravur trug sie nämlich – beschlossene Sache. Die zwei Männer schritten zur Tat – und machten aus den Überresten der Bank kurzerhand Kleinholz. "Das hat achteinhalb Minuten gedauert", erzählt der "bärtige Gitarrenbarde" schmunzelnd.

Wagenbach hatte Torsten Nesselhauf angesprochen, ebenfalls ein "Großsaasemer", Leiter der Hans-Freudenberg-Schule in Weinheim und beim Lions Club in der Zweiburgenstadt aktiv. Der Club unterstützt und finanziert nämlich seit vielen Jahren Bankprojekte und stellt Bänke in Weinheim und Umgebung auf, die in Berufsvorbereitungsklassen hergestellt wurden. Damit sollen junge Menschen, die es mitunter im Leben nicht so leicht haben, fürs Leben gestärkt werden, wie Nesselhauf erklärt. Ihnen soll gezeigt werden: "Ich kann mit meiner Arbeit etwas Positives für die Gesellschaft bewirken."

Und so machten sich die Schüler der Hans-Freudenberg-Schule unter der Anleitung von Werkstattlehrer Benjamin Spang an die Arbeit und schufen eine neue "Krebse-Hoiner-Bank", die nach den Pfingstferien aufgestellt werden soll. Die Bank erhält auch eine Plakette, die eine Gravur mit dem Namen erhält und auf die Spende der Lions und den Einsatz der Jugendlichen hinweist.

Bei der Einweihung der Bank werden die Schüler dabei sein und erhalten für ihren Einsatz auch Gutscheine, kündigte Nesselhauf an. Was für ein schönes Gemeinschaftsprojekt! Doch warum heißt die Bank eigentlich so? Die RNZ begab sich auf Spurensuche und sprach mit dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Bank steht, Joachim Geiger. Er erinnert sich noch daran, wie die Bank vor 25 Jahren auf einmal dastand. Diesmal wurde er vorher gefragt... Ganz genau kennt er die Geschichte aber auch nicht.

Wohl aber Hans Mayer, der damals als Vorsitzender des Bauernverbands Großsachsen mit Schnitzer Bernd Mohr und anderen das gute Stück im Gewann Letten aufstellte und einbetonierte. Heinrich (Heiner) Krebs verstarb vor ein paar Jahren. Er war Landwirt und Großsaasemer Original. Jeder kannte ihn vor allem wegen seiner Kutschfahrten, die er bei Festen und Umzügen machte. Er arbeitete über 30 Jahre bei der Staatlichen Forstverwaltung im Weinheimer Waldgebiet. Bei seiner Verabschiedung 2001 schenkte man ihm als Zeichen der Wertschätzung und des Danks für seine Dienste eine Ruhebank. Diese stiftete der passionierte Landwirt dem örtlichen Bauernverband. Die "Krebse-Hoiner-Bank" sollte dadurch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.

Es war eine echte Knochenarbeit, die die Mitglieder des Großsaasemer Bauernverbands in rund zwei Stunden leisten mussten. Mittels Motorfräse wurden zwei Löcher gebohrt. Doch der Boden, ein echter Saasemer "Lelleborrem" (Lettenboden) war so steinhart, dass man nur mit spitzem Werkzeug und Spitzspaten vorankam. Zur Erheiterung erzählte Krebs zwischendurch einige Anekdoten aus dem Ortsgeschehen.

Die Bank neigte sich allerdings ein wenig in Richtung Hause. Krebs kommentierte damals, dass dort auch Heisemer sitzen dürften, um von Großsachsen aus "de scheenschte Blick" genießen zu dürfen. Das sollte bald wieder möglich sein, für Saasemer, Heisemer und alle anderen.

Was ein Ausblick! „Hoiner“ Krebs liebte seine Bank, die er dem Bauernverband Großsachsen und damit der Allgemeinheit gestiftet hatte. | Rhein-Neckar-Zeitung: Fotos: wabra (3)/Wagenbach (2)